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Eine neue Ära der räumlichen Intelligenz: World Labs sichert sich historische Finanzierung in Höhe von 1 Milliarde Dollar

In einem Wendepunkt für die Branche der künstlichen Intelligenz (KI) hat World Labs, das von der renommierten KI-Pionierin Dr. Fei-Fei Li gegründete Startup für räumliche Intelligenz (Spatial Intelligence), in einer neuen Finanzierungsrunde erfolgreich 1 Milliarde Dollar aufgebracht. Die Ankündigung vom 18. Februar 2026 markiert eine deutliche Verschiebung des Investorenfokus von textbasierten großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) hin zu „Large World Models“ (LWMs), die in der Lage sind, dreidimensionale Umgebungen wahrzunehmen, zu verstehen und mit ihnen zu interagieren.

Diese massive Kapitalspritze, die das Unternehmen Berichten zufolge deutlich höher bewertet als seinen ersten Unicorn-Status aus dem Jahr 2024, wird von einer Koalition aus Branchengrößen unterstützt, darunter Nvidia, AMD und Autodesk. Für die Leser von Creati.ai signalisiert diese Entwicklung eine entscheidende Evolution in der Art und Weise, wie KI in kreative Arbeitsabläufe, die Robotik und die physische Welt integriert wird.

Jenseits von Text: Der Aufstieg der räumlichen Intelligenz

In den letzten Jahren wurde das KI-Narrativ von generativen Modellen dominiert, die sich durch die Verarbeitung von Text und 2D-Bildern auszeichnen. Dr. Fei-Fei Li, die aufgrund ihrer bahnbrechenden Arbeit an ImageNet oft als „Godmother of AI“ bezeichnet wird, argumentiert jedoch seit langem, dass die nächste Grenze die räumliche Intelligenz (Spatial Intelligence) ist.

Im Gegensatz zur herkömmlichen generativen KI, die Inhalte basierend auf statistischen Mustern in Daten erstellt, zielt räumliche Intelligenz darauf ab, Maschinen eine Verankerung in der physischen Realität zu geben. World Labs entwickelt Modelle, die die Geometrie, Physik und Semantik der 3D-Welt verstehen.

„Wir bewegen uns von einer KI, die eine Tasse beschreiben kann, hin zu einer KI, die versteht, dass die Tasse ein Volumen hat, auf einem Tisch steht, gegriffen werden kann und in einem 3D-Raum relativ zu anderen Objekten existiert“, erklärte Dr. Li in einem Pressebriefing nach der Ankündigung.

Diese Finanzierung wird die Entwicklung der proprietären Large World Models von World Labs beschleunigen. Diese Modelle sind darauf ausgelegt, vollständig interaktive 3D-Umgebungen zu generieren, nicht nur statische Assets. Für Branchen, die von der Spieleentwicklung bis zum Industriedesign reichen, verspricht dies einen Workflow, bei dem Ersteller eine KI anweisen können, eine funktionale, physikkonforme 3D-Szene zu generieren, anstatt nur ein flaches Bild.

Strategische Unterstützung: Die Giganten setzen auf 3D

Die Zusammensetzung der Investorengruppe ist ebenso bedeutend wie der Dollarbetrag. Die Beteiligung von Nvidia, AMD und Autodesk unterstreicht die strategische Notwendigkeit räumlicher KI über Hardware- und Software-Vertikalen hinweg.

Nvidia und AMD: Das Wettrüsten bei der Rechenleistung

Sowohl Nvidia als auch AMD haben sich an dieser Runde beteiligt, was die enormen Rechenanforderungen bei der Verarbeitung volumetrischer Daten unterstreicht.

  • Nvidia sieht World Labs als perfekte Ergänzung zu seiner Omniverse-Plattform und könnte die LWMs von World Labs potenziell nutzen, um digitale Zwillinge mit intelligenten, räumlich orientierten Assets zu bestücken.
  • AMD, bestrebt, seine Kompetenz im Bereich High-Performance-KI-Computing zu demonstrieren, zielt darauf ab, seine neuesten Beschleuniger der MI-Serie für die spezifischen Workloads der räumlichen Intelligenz zu optimieren, die sich erheblich vom Standard-LLM-Training unterscheiden.

Autodesk: Revolutionierung des Designs

Die Einbeziehung von Autodesk ist für den Kreativsektor vielleicht am faszinierendsten. Als Marktführer bei CAD- und 3D-Modellierungssoftware deutet die Investition von Autodesk auf eine Zukunft hin, in der die Technologie von World Labs direkt in Werkzeuge wie Maya, 3ds Max oder Revit integriert wird. Dies könnte es Architekten und Spieledesignern ermöglichen, komplexe 3D-Strukturen über Prompts in natürlicher Sprache zu generieren, inklusive korrekter Beleuchtungs- und Physikeigenschaften.

Vergleich generativer Paradigmen: LLMs vs. LWMs

Um das Ausmaß dieser Verschiebung zu verstehen, ist es hilfreich, das derzeit dominierende KI-Paradigma mit dem zu vergleichen, was World Labs aufbaut. Die folgende Tabelle skizziert die Kernunterschiede zwischen der generativen KI von 2023–2025 und der räumlichen KI, die 2026 entsteht.

Merkmal Große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) Large World Models (LWMs)
Kern-Input/Output Text, Code, 2D-Bilder 3D-Volumendaten, Physik, Interaktionen
Verständnis der Realität Statistische Korrelationen in Text/Pixeln Geometrische und physikalische Fundierung
Primärer Anwendungsfall Content-Erstellung, Chatbots, Coding Robotik, AR/VR, Industriesimulation
Dimensionalität Flach (1D-Text oder 2D-Pixel) Räumlich (3D-Raum + Zeit)
Interaktion Passiv (Lesen/Ansehen) Aktiv (Navigieren/Manipulieren)

Auswirkungen auf Robotik und Automatisierung

Während die kreativen Anwendungen enorm sind, bleibt der „Heilige Gral“ für World Labs die Robotik. Einer der Hauptengpässe in der robotergestützten Automatisierung war die Unfähigkeit der Maschinen, in unstrukturierten Umgebungen zu generalisieren. Ein Roboter, der darauf trainiert wurde, eine Kiste in einer Simulation aufzuheben, scheitert in der realen Welt oft an geringfügigen Abweichungen bei der Beleuchtung oder Positionierung – ein Problem, das als „Sim-to-Real“-Lücke bekannt ist.

World Labs zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Durch das Training von Modellen auf riesigen Datensätzen von 3D-Interaktionen bauen sie ein „Gehirn“ für Roboter, das physikalisches Alltagswissen über die reale Welt vermittelt. Diese Finanzierung in Höhe von 1 Milliarde Dollar wird wahrscheinlich Partnerschaften mit Herstellern von Robotik-Hardware vorantreiben, sodass World Labs seine Software in physischen Maschinen für Tests in Lagerhäusern, Krankenhäusern und Privathaushalten einsetzen kann.

Der Weg vor uns: Herausforderungen und Erwartungen

Trotz der massiven Finanzierung ist der Weg nach vorne nicht ohne Herausforderungen. Die Verarbeitung von 3D-Daten erfordert exponentiell mehr Rechenleistung als Text. Darüber hinaus ist das Sammeln hochwertiger 3D-Trainingsdaten deutlich schwieriger als das Durchsuchen des Webs nach Text.

Mit 1 Milliarde Dollar an frischem Kapital ist World Labs jedoch einzigartig positioniert, um diese infrastrukturellen Hürden zu überwinden. Das Unternehmen plant, sein Team aus Forschern und Ingenieuren zu erweitern und dabei gezielt Talente mit interdisziplinärer Expertise in den Bereichen Computer Vision, Grafik und Robotik anzusprechen.

Für die KI-Branche wird der Februar 2026 wahrscheinlich als der Monat in Erinnerung bleiben, in dem sich der Fokus von dem, „was KI sagen kann“, hin zu dem verschob, „was KI tun kann“. Während World Labs dieses Kapital einsetzt, werden wir bei Creati.ai genau beobachten, wie diese Werkzeuge bei Entwicklern und Schöpfern ankommen. Das Versprechen, eine Welt so einfach zu generieren wie das Schreiben eines Satzes, ist kein Science-Fiction mehr – es ist ein gut finanziertes Geschäftsziel.

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