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Der Übergang zur autonomen Handlung: Wie Agentische KI(Agentic AI)Software und Fertigung umgestaltet

Die Landschaft der künstlichen Intelligenz erlebt einen entscheidenden Wandel. Wir bewegen uns über die Ära der generativen Chatbots—Systeme, die primär dazu entwickelt wurden, Text oder Pixel vorherzusagen—hinaus in das Zeitalter der Agentischen KI(Agentic AI). Diese neue Generation von Systemen zeichnet sich nicht nur durch die Fähigkeit zu denken aus, sondern durch die Fähigkeit, eigenständig in komplexen Umgebungen zu handeln, zu planen und iterativ zu arbeiten.

Bei Creati.ai haben wir diese Woche zwei wegweisende Ankündigungen beobachtet, die diesen Trend festigen: Anthropic’s tiefe Integration des Claude Agent SDK in Apples Xcode und die strategische Allianz zwischen Dassault Systèmes und NVIDIA zur Unterstützung industrieller virtueller Zwillinge. Zusammen signalisieren diese Entwicklungen, dass sich die KI von einem passiven Assistenten zu einem aktiven, autonomen Mitarbeiter entwickelt, der in der Lage ist, verantwortungsvolle Aufgaben sowohl in der Softwareentwicklung als auch in der Schwerindustrie auszuführen.

Revolution der Entwicklung: Claude wird zum autonomen Ingenieur

Für Softwareentwickler war die Integration von KI größtenteils auf Autocomplete-Vorschläge und chatbasierte Debugging-Unterstützung beschränkt. Anthropic verändert diese Dynamik grundlegend mit der Einführung des Claude Agent SDK in Apple’s Xcode 26.3.

Im Gegensatz zu früheren Iterationen, in denen Entwickler Claude Sonnet 4 für schrittweise Ratschläge nutzten, befähigt das neue SDK die KI dazu, als vollständig autonomer Agent zu agieren. Dieser Wandel erlaubt es dem System, hochrangige Ziele wie „refaktorisiere den Benutzer-Authentifizierungsfluss“ zu übernehmen, anstatt granulare Schritt-für-Schritt-Anweisungen zu benötigen.

Visuelle Verifikation und Iteration

Eine der tiefgreifendsten Fortschritte ist Claudes Fähigkeit, zu „sehen“, was es baut. Durch eine neue native Integration kann der Agent Xcode Previews erfassen, um seine Arbeit visuell zu verifizieren. Wenn ein Entwickler eine UI-Änderung in SwiftUI verlangt, generiert Claude nicht nur den Code; es rendert die Vorschau, analysiert die visuelle Ausgabe im Vergleich zur Absicht des Benutzers und korrigiert sich selbst, wenn das Design nicht übereinstimmt. Diese „visuelle Rückkopplungsschleife“ ahmt den menschlichen Arbeitsablauf nach und reduziert die Trial-and-Error-Belastung für den Entwickler drastisch.

Strategisches Denken

Über visuelle Aufgaben hinaus verfügt der Agent über die Fähigkeit, über ein gesamtes Projekt hinweg zu denken. Er erkundet die gesamte Verzeichnisstruktur und versteht das komplexe Geflecht der Abhängigkeiten zwischen SwiftUI, UIKit und Swift Data. Bevor auch nur eine einzige Codezeile geschrieben wird, formuliert er einen Plan und entscheidet, welche Dateien verändert werden müssen, um das Ziel zu erreichen, ohne bestehende Funktionalität zu brechen. Dieses Niveau des Autonomen Programmierens(Autonomous Coding) hebt die KI von einer ausgefeilten Schreibmaschine zu einem Junior-Ingenieur, der in der Lage ist, architektonische Komplexität zu navigieren.

Jenseits des Codes: KI in den Gesetzen der Physik verankern

Während Anthropic sich auf den digitalen Bereich konzentriert, vollzieht sich in der physischen Welt ein massiver Wandel. Dassault Systèmes und NVIDIA haben eine Partnerschaft angekündigt, um Industrielle KI(Industrial AI) in die 100-Billionen-Dollar-Industrieökonomie einzubringen.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die 3DEXPERIENCE-Plattform, die nun durch NVIDIAs KI-Infrastruktur und Omniverse-Technologien beschleunigt wird. Ziel ist es, „Industry World Models“ zu schaffen—Systeme, die nicht nur plausible Szenarien halluzinieren, sondern streng in Physik und wissenschaftlicher Validierung verwurzelt sind.

Der Aufstieg der Virtuellen Begleiter(Virtual Companions)

Die Flaggschiff-Innovation dieser Partnerschaft ist die Einführung der Virtuellen Begleiter(Virtual Companions). Dies sind keine einfachen Chatbots, sondern versierte Agenten, die von NVIDIA Nemotron Open Models und Dassaults proprietären Daten angetrieben werden. Diese Begleiter agieren als Expertenhilfen für Ingenieure, Architekten und Wissenschaftler und sind in der Lage, komplexe physikalische Interaktionen zu simulieren, bevor sie in der realen Welt auftreten.

Beispielsweise nutzt die Automobilbranche, darunter Unternehmen wie Lucid Motors, diese Tools, um die Fahrzeugentwicklung iterativ voranzutreiben. Die KI schlägt nicht nur ein Design vor; sie simuliert Aerodynamik und Antriebsstrangphysik mit Hilfe von Simulationen, sodass Teams mit beispielloser Geschwindigkeit vom Konzept zur Produktion gelangen können.

Generative KI(Generative AI) für die Fertigung

Die Partnerschaft reicht tief bis auf die Fabrikebene. Durch die Kombination von NVIDIAs Omniverse-physikalischen KI-Bibliotheken mit Dassaults DELMIA Virtual Twin können Hersteller autonome, softwaredefinierte Produktionssysteme bereitstellen. Diese „KI-Fabriken“ ermöglichen die Optimierung von Montagebändern in einem virtuellen Raum und stellen sicher, dass die physische Anlage bei Inbetriebnahme von Tag eins an mit maximaler Effizienz arbeitet.

Vergleichende Analyse: Ein einheitlicher Trend in Richtung Agency

Obwohl die Bereiche Softwareentwicklung und industrielle Fertigung unterschiedlich erscheinen, teilen diese beiden Ankündigungen ein gemeinsames Erbgut: die Bewegung in Richtung agentischen Verhaltens.

Table 1: Comparing the New Wave of Agentic Systems

Feature Anthropic & Apple Dassault Systèmes & NVIDIA
Core Domain Software-Entwicklung (iOS/macOS) Industrielle Ingenieurwesen & Fertigung
Primary Agent Claude Agent SDK Virtuelle Begleiter
Key Capability Autonomes Programmieren und visuelle Verifikation Physikbasierte Simulation und Weltmodellierung
Underlying Tech Claude Models, MCP, Xcode 26.3 NVIDIA Nemotron, Omniverse, 3DEXPERIENCE
Validation Method Visuelle Vorschauen und Compilations-Checks Wissenschaftliche Gesetze und physikalische Beschränkungen
End Goal Funktionale, fehlerfreie Software Optimierte, nachhaltige physische Produkte

Die Auswirkungen für Fachleute

Der Übergang zur Agentischen KI verlangt eine Veränderung in der Arbeitsweise von Fachleuten. Für Entwickler wird sich das Skill-Set vom Schreiben von Syntax hin zum „Managen“ von Agenten entwickeln—Klarziele definieren, Architekturpläne überprüfen und die visuelle Ausgabe autonomer Arbeiter auditieren. Die Reibung manueller Codierung wird durch die höherwertige Aufgabe ersetzt, intelligente Systeme zu lenken.

Im Industriesektor ist die Veränderung noch radikaler. Ingenieure werden sich nicht mehr ausschließlich auf statische CAD-Modelle verlassen. Stattdessen werden sie mit Virtuellen Begleitern zusammenarbeiten, die Biologie, Materialwissenschaft und Physik verstehen. Diese Demokratisierung von Fachwissen bedeutet, dass ein Designer sofort die strukturelle Integrität eines neuen Materials oder die aerodynamische Effizienz einer Flügelform beurteilen kann, ohne auf ein dediziertes Simulationsteam warten zu müssen.

Fazit: Eine neue Ära der Verlässlichkeit

Bei Creati.ai betrachten wir diese Entwicklungen als Reifung der künstlichen Intelligenz. Die Branche bewegt sich weg von der „kreativen aber unzuverlässigen“ Phase der Generativen KI(Generative AI) hin zu einer Zukunft mit „agentischen und verifizierbaren“ Systemen. Ob Claude eine UI-Anordnung in Xcode verifiziert oder ein Dassault Virtual Companion die Belastung eines Flugzeugteils validiert—der Fokus hat sich auf Verlässlichkeit, Autonomie und greifbare Ergebnisse verlagert.

Während die Agentische KI(Agentic AI)ins Rampenlicht tritt, löst sich die Barriere zwischen menschlicher Absicht und Ausführung auf. Wir treten in eine Zeit ein, in der unsere digitalen Werkzeuge nicht nur auf uns hören—sie verstehen, sie planen und, am wichtigsten, sie handeln.

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