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Salesforce and Anthropic definieren Enterprise-KI mit bidirektionaler "Context to Action"-Integration neu

In einer bedeutenden Entwicklung für die Unternehmens-KI-Landschaft (enterprise artificial intelligence) hat Salesforce eine umfassende Erweiterung seiner strategischen Partnerschaft mit Anthropic angekündigt. Heute, am 2. Februar 2026, vorgestellt, konzentriert sich diese Zusammenarbeit auf die direkte Integration von Anthropics Claude AI in das Salesforce-Ökosystem durch die Unterstützung von Modell-Kontext-Protokoll (Model Context Protocol, MCP)-Apps. Die Integration verspricht, die langjährigen Barrieren zwischen KI‑Schlussfolgerungen und geschäftlicher Ausführung abzubauen und effektiv die Lücke zwischen dem Generieren von Erkenntnissen und dem Ergreifen von Maßnahmen innerhalb unternehmensweiter Workflows zu schließen.

Diese Ankündigung markiert einen Wendepunkt für Salesforce-Nutzer, insbesondere durch die sofortige Verfügbarkeit erweiterter Funktionen in Slack und die bevorstehende Integration mit Agentforce 360. Durch die Nutzung des Modell-Kontext-Protokolls schafft Salesforce nicht nur einen Chatbot in seinen Plattformen; es entsteht eine bidirektionale Datenautobahn, auf der vertrauenswürdige Kundendaten, Geschäftslogik und Sicherheitsleitplanken nahtlos zwischen Salesforces robuster Infrastruktur und Anthropics fortschrittlichen Sprachmodellen fließen.

Das Modell-Kontext-Protokoll: Ein Standard für Interoperabilität

Im Zentrum dieser Ankündigung steht das Modell-Kontext-Protokoll (MCP), ein offener Standard, der entwickelt wurde, um KI‑Systeme sicher mit externen Werkzeugen und Datenrepositories zu verbinden. Historisch operierten Große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) wie Claude als leistungsfähige, aber isolierte Denkmaschinen. Um in einem geschäftlichen Kontext effektiv zu funktionieren, benötigten sie komplexe, oft fragile Integrationen, um auf firmeneigene Daten zuzugreifen.

Die Unterstützung für MCP-Apps verändert diese Dynamik grundlegend. Sie ermöglicht es Claude, den innerhalb von Salesforce vorhandenen Geschäftskontext zu "sehen" und zu "verstehen", ohne dass Daten dauerhaft verschoben oder öffentlichen Trainingssätzen ausgesetzt werden müssen. Dieser Standard ermöglicht einen modularen KI‑Ansatz, bei dem Erweiterungen als sichere Brücken fungieren.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass Claude nun als intelligenterer Teilnehmer in täglichen Workflows agieren kann. Er beantwortet nicht nur Fragen auf Basis allgemeinen Wissens; er bezieht sich auf Live‑, vertrauenswürdige Daten aus der Salesforce‑Umgebung. Diese Fähigkeit verwandelt Claude von einem passiven Assistenten in einen aktiven Partner, der die Nuancen spezifischer Kundenbeziehungen, Service‑Historien und laufender Vertriebszyklen verstehen kann.

Slack‑Integration: Zusammenarbeit in Handlung verwandeln

Die erste greifbare Früchte dieser erweiterten Partnerschaft ist die sofortige Integration von Claude mit Slack, dem Collaboration‑Hub von Salesforce. Aufbauend auf den Ende letzten Jahres gemachten Ankündigungen machen die neuen MCP‑App‑Funktionen Slack zur primären Oberfläche für KI‑getriebene Produktivität.

Ab heute können berechtigte Nutzer Claude direkt innerhalb von Slack nutzen, um komplexe Aufgaben zu erledigen, die zuvor zersplittert waren. Die Integration ist bidirektional, was bedeutet, dass der Informationsfluss in beide Richtungen funktioniert:

  • Kontextuelle Suche und Abruf: Nutzer können Claude auffordern, spezifische Gesprächskontexte aus Slack‑Channels abzurufen. Das ist wichtig, um lange Projektthreads nachzuholen oder Schlüsselentscheidungen aus wochenlangen Dialogen zu extrahieren.
  • Entwurf und Iteration: Nutzer können Inhalte wie E‑Mails, Projektbriefe oder strategische Zusammenfassungen in Claude erstellen, wobei Daten aus Slack verwendet werden. Diese Entwürfe können mithilfe von Claudes Schlussfolgerungsfähigkeiten verfeinert werden.
  • Nahtloses Teilen: Sobald ein Entwurf ausgearbeitet ist, kann er zurück in einen Slack‑Channel geschickt werden, damit das Team ihn überprüft, diskutiert und endgültig genehmigt – wodurch der "Mensch in der Schleife" weiterhin ein zentraler Bestandteil des Prozesses bleibt.

Dieser Workflow adressiert einen häufigen Schmerzpunkt moderner digitaler Arbeit: die "Toggle‑Tax", die beim Wechseln zwischen einer KI‑Schnittstelle (z. B. einem webbasierten Chatbot) und der eigentlichen Plattform, auf der gearbeitet wird, anfällt. Indem diese Funktionen direkt in den Gesprächsfluss eingebettet werden, reduzieren Salesforce und Anthropic Reibungsverluste und beschleunigen Entscheidungszyklen.

Agentforce 360: Die nächste Grenze autonomer Aktionen

Während sich die Slack‑Integration auf menschliche Zusammenarbeit mit KI‑Unterstützung konzentriert, stellt die bevorstehende Integration mit Agentforce 360 einen Sprung in Richtung autonomer Geschäftsabläufe dar. Salesforce hat bestätigt, dass Agentforce‑360‑Erweiterungen Kunden bald erlauben werden, Salesforce‑native Aktionen direkt aus Claude heraus auszulösen.

Agentforce 360 dient als Ausführungsschicht für diese Partnerschaft. Anstelle von maßgeschneiderten, einmaligen Integrationen, die schwer zu warten sind, nutzt dieses System Salesforces etabliertes agentisches Architekturmodell. Das bedeutet, dass wenn ein Nutzer mit Claude interagiert, er nicht nur textbasierte Ratschläge erhält; er kann die KI anweisen, konkrete Geschäftsvorgänge auszuführen.

Beispielsweise könnte ein Vertriebsleiter, der einen Quartalsbericht in Claude analysiert, theoretisch die KI anweisen, "Folgetermine mit allen Konten in der Kategorie 'Risk' zu planen" oder "die Prognose für die Northeast‑Region basierend auf diesem Gespräch zu aktualisieren." Claude würde dann Agentforce 360 nutzen, um diese Befehle innerhalb des Salesforce‑CRM auszuführen und dabei alle definierten Geschäftsregeln und Logiken einzuhalten.

Wesentliche Fähigkeiten der Agentforce‑360‑Integration:

  • Auslösemechanismen für Aktionen: Initiierung komplexer Workflows in Salesforce direkt aus der Claude‑Schnittstelle.
  • Vereinheitlichte Governance: Sicherstellung, dass jede von der KI ausgeführte Aktion den gleichen Berechtigungen und Sicherheitsrichtlinien wie ein menschlicher Nutzer unterliegt.
  • Flow‑Erhaltung: Teams können Ideen in Claude erkunden und sie sofort in Salesforce operationalisieren, ohne den Kontext wechseln zu müssen.

Funktionsvergleich: Standard‑ vs. integrierte Erfahrung

Um das Ausmaß dieses Upgrades zu verstehen, ist es hilfreich, die Möglichkeiten eines eigenständigen KI‑Assistenten mit der neuen, von MCP betriebenen Salesforce‑integrierten Erfahrung zu vergleichen.

Feature Area Standalone AI Assistant Claude with Salesforce MCP & Agentforce
Data Access Limited to uploaded files or public knowledge Real-time, secure access to Salesforce CRM & Slack data
Context Window Restricted to the immediate chat history Includes trusted business context, customer history, and channel logs
Actionability Can only suggest actions or write code Can execute workflows (e.g., update records, send alerts) via Agentforce
Security Model General platform security; data often used for training Salesforce Trust Layer; data remains within boundary; no training on customer data
Collaboration Isolated user experience Bi-directional sharing with Slack teams for review and approval

Sicherheit und Vertrauen: Das unternehmerische Non‑Negotiable

Da KI‑Agenten zunehmend autonomer werden, bleibt Sicherheit die zentrale Sorge von CIOs und IT‑Leitern. Salesforce und Anthropic haben dies adressiert, indem sie die Einstein Trust Layer und die etablierte Sicherheitsgrenze von Salesforce nutzen.

Anthropic nimmt in diesem Ökosystem eine einzigartige Position ein, als der erste Anbieter von Großen Sprachmodellen (LLMs), dessen Modelle vollständig innerhalb der Salesforce‑Vertrauensgrenze betrieben werden. Diese Null‑Datenaufbewahrungsrichtlinie ("zero‑data‑retention") ist entscheidend für regulierte Branchen wie Finanzdienstleistungen und Gesundheitswesen.

Nick Johnston, SVP of Strategic Tech Partnerships bei Salesforce, betonte dieses Commitment zur vertrauenswürdigen Ausführung. Er stellte klar, dass Unternehmen mehr brauchen als nur leistungsfähige Modelle; sie benötigen Zuverlässigkeit und eine Möglichkeit, diese Modelle innerhalb der Beschränkungen realer Geschäftsbedingungen zu betreiben. Indem eine Ausführungsschicht mit Governance bereitgestellt wird, stellt Salesforce sicher, dass ein KI‑Agent nicht eine Richtlinienverletzung halluziniert oder auf Daten zugreift, die ihm nicht zur Verfügung stehen.

Organisationen wie RBC Wealth Management werden bereits als Early Adopters genannt und nutzen Claude, um Routineaufgaben wie die Meeting‑Vorbereitung zu automatisieren, während sie auf Salesforces Sicherheitskontrollen vertrauen, um sensible Kundendaten zu schützen.

Perspektiven der Führungsebene zur Partnerschaft

Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Salesforce und Anthropic signalisiert eine Verschiebung der Marktstrategie beider Unternehmen. Für Salesforce unterstreicht sie den Wert der "Agentforce"-Strategie und positioniert die Plattform nicht nur als Datenbank, sondern als zentrales Nervensystem für KI‑Agenten. Für Anthropic bietet sie einen direkten Weg in die täglichen Workflows der weltweit größten Unternehmen und hebt das Unternehmen über das "Chatbot"-Etikett hinaus in Richtung "Enterprise‑Infrastruktur".

„Durch die Partnerschaft mit Anthropic bringen wir Salesforce direkt in den Arbeitsfluss unserer Kunden und stellen die Ausführungsschicht mit Kontext, Daten, Governance und Vertrauen bereit“, erklärte Nick Johnston. Dieses Statement spiegelt einen breiteren Branchentrend wider, bei dem der Wert von KI weniger an ihrer Konversationsflüssigkeit gemessen wird, sondern mehr an ihrer Fähigkeit, messbare Geschäftsergebnisse zu erzielen.

Verfügbarkeit und zukünftige Roadmap

Für Organisationen, die diese Funktionen bereitstellen möchten, ist der Zeitplan gestaffelt, um Stabilität und Adoption zu gewährleisten:

  • Slack‑Integration: Die MCP‑App‑Funktionen für Slack sind ab sofort verfügbar (Stand: 2. Februar 2026). Dies umfasst die Such‑, Abruf‑ und Entwurfsfunktionen. Sie sind für Nutzer auf den Plänen Pro, Max, Team und Enterprise zugänglich.
  • Agentforce 360: Die tiefere Integration, die die Ausführung von Aktionen über Agentforce 360 ermöglicht, befindet sich derzeit in der Entwicklung und soll bald für Kunden ausgerollt werden.

Salesforce hat Kunden geraten, Kaufentscheidungen auf Basis der aktuell verfügbaren Funktionen zu treffen – ein üblicher Vorbehalt, der dennoch auf eine schnelllebige Produktroadmap hinweist. Während die "Agentische Ära" (Agentic Era) der KI an Fahrt gewinnt, scheint die Kombination aus Anthropics Schlussfolgerungsfähigkeiten und Salesforces umfangreichem Datenbestand bereit, einen neuen Standard dafür zu setzen, wie Unternehmen arbeiten.

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