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Bahnbrechende Ergebnisse der MASAI-Studie in The Lancet veröffentlicht

Ein Meilenstein für die medizinische Diagnostik ist erreicht mit der Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse der Mammografie-Screening-Studie mit künstlicher Intelligenz (Mammography Screening with Artificial Intelligence, MASAI) in The Lancet. Als erste randomisierte kontrollierte Studie dieser Art liefert die Untersuchung eindeutige Belege dafür, dass künstliche Intelligenz (artificial intelligence, KI) die Brustkrebs-Screenings deutlich verbessern kann. Die im frühen 2026 veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass KI-gestütztes Screening nicht nur deutlich mehr Krebserkrankungen erkennt als traditionelle Methoden, sondern auch eine entscheidende Reduktion der Intervallkrebserkrankungen (interval cancers) erzielt und zugleich die Arbeitsbelastung der Radiologen nahezu halbiert.

Für die globale Gesundheitsgemeinschaft signalisieren diese Ergebnisse einen Paradigmenwechsel. Die Integration von KI in die Mammographie ist nicht länger nur ein theoretischer Effizienzgewinn; sie ist eine klinisch validierte Methode, die die Patientensicherheit erhöht und die Ressourcenzuteilung in großvolumigen Screening-Programmen optimiert.

Die MASAI-Studie: Ein neuer Maßstab für Genauigkeit

Durchgeführt in Schweden mit über 106.000 Teilnehmerinnen verglich die MASAI-Studie die Wirksamkeit des KI-gestützten Screenings mit dem Standardverfahren des doppelten Befundes, bei dem zwei Radiologen jede Mammographie unabhängig voneinander begutachten. Die Studie nutzte das Transpara AI-System von ScreenPoint Medical zur Bildanalyse und zur Priorisierung von Fällen anhand von Risikoscores.

Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild überlegener Leistung. Der KI-gestützte Arm erreichte eine 28% höhere Erkennungsrate von Krebs im Vergleich zur Kontrollgruppe. Noch wichtiger ist, dass diese erhöhte Sensitivität nicht auf Kosten von Überdiagnosen oder übermäßigen falsch positiven Befunden (false positives) ging. Die Studie stellte fest, dass der KI-unterstützte Workflow eine hohe Spezifität beibehielt und sicherstellte, dass Frauen nicht häufiger als in der Standardversorgung unnötigerweise der Angst vor Fehlalarmen ausgesetzt wurden.

Wesentliche Leistungskennzahlen aus der MASAI-Studie

Metric Standard Double Reading AI-Supported Screening Impact
Krebsentdeckungsrate 5.0 per 1,000 screened 6.4 per 1,000 screened +28% Erkennung
Rate der Intervallkrebserkrankungen 1.76 per 1,000 screened 1.55 per 1,000 screened -12% Intervallkrebserkrankungen
Screening-Befundungs-Arbeitsaufwand 83,231 readings 46,345 readings -44% Arbeitsaufwand
Falsch-Positiv-Rate 1.4% 1.5% Keine signifikante Veränderung

Intervallkrebserkrankungen: Die entscheidende Kennzahl

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis im Update 2026 die Datenauswertung zu den Intervallkrebserkrankungen. Dabei handelt es sich um Krebsfälle, die zwischen planmäßigen Screening-Runden diagnostiziert werden, nachdem bei einer Teilnehmerin ein "normales" Ergebnis vorlag. Intervallkrebserkrankungen sind besonders gefährlich, da sie oft aggressiver sind und in einem späteren Stadium entdeckt werden als screenentdeckte Tumoren.

Frühere Zwischenberichte hatten die Fähigkeit der KI gezeigt, während der Erstuntersuchung mehr Krebserkrankungen zu erkennen. Klinikerinnen und Kliniker warteten jedoch gespannt auf Langzeit-Follow-up-Daten, um zu klären, ob diese höhere Erkennungsrate tatsächlich künftige Intervallkrebserkrankungen verhinderte. Die endgültigen Ergebnisse bestätigen eine Reduktion der Intervallkrebserkrankungen um 12% in der KI-Gruppe. Darüber hinaus verzeichnete die Studie eine Reduktion invasiver Intervallkrebserkrankungen um 16% und eine Reduktion aggressiver nicht-luminaler A-Subtypen um 27%. Dies deutet darauf hin, dass die KI nicht nur langsam wachsende, weniger gefährliche Tumoren erkennt, sondern erfolgreich aggressive Malignome identifiziert, die menschlichen Leserinnen und Lesern entgehen könnten, und damit potenziell Leben durch frühere Interventionen rettet.

Entlastung der Radiologen

Der weltweite Mangel an Radiologen hat in vielen Ländern Krisenniveau erreicht und führt zu Engpässen, die Diagnosen und Behandlungen verzögern. Die MASAI-Studie bietet eine praktikable Lösung für diese personellen Herausforderungen. Durch den Einsatz von KI zur Triage von Mammographien mit geringem Risiko zeigte die Studie eine Reduktion der Arbeitsbelastung der Radiologen um 44%.

Im Studienprotokoll vergab das KI-System für jede Untersuchung einen Risikoscore von 1 bis 10.

  • Hohe Risikoscores: Für den doppelten Befund durch Radiologen gekennzeichnet, sodass menschliche Expertise dort konzentriert eingesetzt wird, wo sie am dringendsten gebraucht wird.
  • Niedrige Risikoscores: Für Einzelbefundung oder automatisierte Bearbeitung triagiert, wodurch das Volumen gesunder Aufnahmen, die intensive menschliche Prüfung erfordern, erheblich reduziert wird.

Dieser Effizienzgewinn schafft im Grunde genommen fast die Hälfte der Zeit eines Radiologen frei, sodass er sich auf komplexe diagnostische Fälle, Patientenkontakte und interventionelle Verfahren konzentrieren kann, anstatt auf das routinemäßige Screening gesunder Populationen.

Auswirkungen auf Healthcare AI und die medizinische Bildgebung

Der Erfolg der MASAI-Studie bestätigt das Kernversprechen der Gesundheits-KI (Healthcare AI): die menschliche Intelligenz zu ergänzen, um bessere Ergebnisse zu erzielen, als sie Mensch oder Maschine allein erreichen könnten. Im Bereich der Medizinischen Bildgebung (Medical Imaging) dient diese Studie als grundlegender Machbarkeitsnachweis für den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Tools.

Dr. Kristina Lång, die Erstautorin der Studie von der Lund University, betonte, dass die Sicherheit des KI-Workflows oberste Priorität hatte. Die Stabilität der Falsch-Positiv-Rate zeigt, dass das KI-System effektiv für den Einsatz in der Bevölkerungsmedizin kalibriert ist. Anders als frühere Befürchtungen, KI könnte Kliniken mit unnötigen Rückrufen überfluten, erwies sich die Technologie als in der Lage, die Spezifität erfahrener Radiologen zu erreichen.

Ausblick und Einführung

Mit der Veröffentlichung dieser Ergebnisse werden Gesundheitssysteme weltweit die Einführung KI-gestützter Mammographie voraussichtlich beschleunigen. Die klaren Vorteile — verbesserte Krebsdetektion, weniger übersehene Intervallkrebserkrankungen und massive Entlastung bei der Arbeitslast — sprechen deutlich für eine Aktualisierung nationaler Screening-Richtlinien.

Die Implementierung erfordert jedoch sorgfältige Planung. Krankenhäuser müssen in die notwendige IT-Infrastruktur investieren und robuste Qualitätssicherungsprotokolle sicherstellen. Mit fortschreitender Reifung der Technologie ist zu erwarten, dass ähnliche KI-Methoden auch in anderen großvolumigen Screening-Bereichen getestet werden, etwa bei Lungen-CTs und in der Pathologie.

Vorerst steht die MASAI-Studie als Leuchtturm des Fortschritts da und beweist, dass KI, wenn sie rigoros geprüft und richtig implementiert wird, ein starker Verbündeter im Kampf gegen Brustkrebs sein kann.

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