
Von Creati.ai-Redaktion
26. Januar 2026
Der globale Wettlauf um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz (artificial intelligence) hat eine neue geopolitische Hürde erreicht. Was als entscheidender Sieg für Meta Platforms Inc.—die 2-Milliarden-Dollar-Übernahme des agentischen KI (agentic AI)-Pioniers Manus—gedacht war, hat sich zu einem komplexen regulatorischen Patt entwickelt. Seit dieser Woche hat Chinas Handelsministerium (MOFCOM) seine Untersuchung des Deals erheblich ausgeweitet und signalisiert damit eine mögliche Vorgehensweise gegen das, was Brancheninsider als "Singapore-washing" bezeichnen — die Praxis chinesischer Start-ups, ihren Hauptsitz in neutrale Jurisdiktionen zu verlegen, um westliches Kapital zu gewinnen.
Ursprünglich Anfang Januar als vorläufige Prüfung bezüglich Technologieexportlizenzen berichtet, hat sich die Untersuchung mittlerweile ausgeweitet. Quellen, die den Vorgang in Peking kennen, geben an, dass die Aufsichtsbehörden ihren Prüfungsrahmen über nationale Sicherheitsaspekte hinaus erweitert haben und nun forensisch grenzüberschreitende Geldflüsse, Steuerkonformität und Datenverwaltung prüfen.
Im Zentrum des Streits steht Manus, ein Start-up, das sich mit seinen agentischen Fähigkeiten — Software, die nicht nur Text generiert, sondern autonom komplexe Arbeitsabläufe ausführt — schnell an die Spitze des KI-Ökosystems katapultiert hat. Obwohl das Unternehmen offiziell als in Singapur ansässig positioniert ist, sind seine Ursprünge unbestreitbar chinesisch. Gegründet von Unternehmern unter dem Dach der Muttergesellschaft "Butterfly Effect", operierte Manus zunächst in Peking und Wuhan, bevor es im Juli 2025 eine strategische Verlagerung seines Hauptsitzes und Kernteams nach Singapur vollzog.
Der Sprecher des MOFCOM, He Yadong, betonte letzten Donnerstag, dass alle Unternehmen, die sich an Auslandsinvestitionen beteiligen, "streng den chinesischen Gesetzen entsprechen" müssen. Der Subtext ist klar: Allein die Verlegung einer Geschäftsadresse an die Straße von Singapur befreit ein Unternehmen mit tiefen chinesischen technologischen Wurzeln nicht vom Pekinger Exportkontrollregime.
Der zentrale Reibungspunkt liegt im sich entwickelnden "Katalog der Technologien, deren Export verboten oder beschränkt ist". Nach den verschärften Regelungen Ende 2024 und 2025 benötigen fortgeschrittene KI-Algorithmen — insbesondere solche mit interaktiven Schnittstellen und autonomer Entscheidungsfindung — eine ausdrückliche Regierungsfreigabe, bevor sie an ausländische Einheiten übertragen werden dürfen.
Pekings Sorge ist zweigeteilt. Erstens besteht die Angst vor "Technologielecks", bei dem inländische Innovationen von einem US-Tech-Giganten geschluckt werden. Zweitens geht es um das Präzedenzfall-Risiko. Gelingt Manus der Ausstieg zu Meta ohne regulatorische Reibung, könnte dies eine Abwanderung Chinas klügster KI-Talente und geistigen Eigentums in Offshore-Zufluchtsorte auslösen und das heimische Ökosystem aushöhlen.
Regulatorische Reibungspunkte im Meta-Manus-Deal
| Regulatory Concern | Specific Allegations | Potential Deal Impact |
|---|---|---|
| Tech Export Compliance | Failure to obtain licenses for transferring "agentische KI (agentic AI)" algorithms from the Chinese subsidiary to the Singapore entity. | Forced divestiture or heavy fines; potential unwinding of the acquisition. |
| Data Sovereignty | Transfer of user data and model training sets from mainland China servers to Meta’s US infrastructure. | Strict firewalls imposed; requirement to delete historical Chinese data. |
| Financial & Tax Irregularities | Scrutiny over the valuation transfer during the Singapore relocation and subsequent payout to Chinese backers. | Retroactive tax penalties; freezing of assets held by domestic shareholders. |
Um die Einsatzhöhe zu verstehen, muss man die Technologie begreifen. Manus ist nicht einfach ein weiterer Chatbot. Im überfüllten Feld der generativen KI (Generative AI) hat Manus eine Nische als "Action Engine (Action Engine)" geschaffen. Während Konkurrenten wie OpenAI und Google auf Schlussfolgerungen und multimodale Generierung setzten, konzentrierte sich Manus auf Ausführung — es baute "Hände" für KI, um mit Browsern zu interagieren, Code zu schreiben und bereitzustellen sowie Unternehmenssoftware autonom zu verwalten.
Für Meta war die Übernahme strategisch. Mark Zuckerberg hat aggressiv daran gearbeitet, Metas KI-Strategie von passiver Unterstützung zu aktiver Agency zu drehen. Manus sollte die Engine sein, die die nächste Generation von Meta-KI antreibt und ihr erlaubt, greifbare Aufgaben für Nutzer über WhatsApp, Instagram und das Quest-Ökosystem zu erfüllen.
Genau diese technologische Fähigkeit macht das Start-up jedoch sensibel. "Agentische KI ist die nächste Grenze der Dual-Use-Technologie (dual-use technology)," bemerkt ein in Hongkong ansässiger Branchenanalyst. "Eine KI, die autonom code schreiben und sich im Web zurechtfinden kann, ist ein unglaublich mächtiges Produktivitätstool, in den Augen von Verteidigungsregulierern aber auch eine potenzielle Cyber-Waffe."
Der Fall Manus hat das Phänomen des "Singapore-Washing (Singapore-washing)" scharf in den Fokus gerückt. Seit Jahren nutzen chinesische Gründer Singapur als geopolitische Druckschleuse — als neutrales Terrain, auf dem sie das Label "chinesisches Unternehmen" ablegen können, um US-Venture-Kapital anzuziehen und Handelssperrlisten zu vermeiden.
Manus spielte dieses Drehbuch perfekt. Durch die Verlegung zentraler Mitarbeiter und geistigen Eigentums nach Singapur Mitte 2025 und das Anziehen von Investitionen durch erstklassige US-Firmen wie Benchmark haben sie das Unternehmen für einen westlichen Exit effektiv "bereinigt". Die vertiefte Untersuchung deutet darauf hin, dass Peking diese Schlupflöcher schließt.
Die Prüfung untersucht, ob die Übertragung von geistigem Eigentum von "Butterfly Effect" in Peking an die Singapur-Einheit unterbewertet oder ohne die erforderlichen Genehmigungen durchgeführt wurde. Sollten die Aufsichtsbehörden feststellen, dass die IP-Übertragung ungültig war, könnten sie theoretisch geltend machen, dass Meta gestohlene Vermögenswerte erworben hat — ein juristisches Sumpfgebiet, das sich über Jahre hinziehen könnte.
Während sich die Regulierer umkreisen, hat Meta auch kommerzielle Probleme. Die Übernahme hat die bestehende Unternehmenskundschaft von Manus verunsichert, viele davon hatten die Plattform bewusst gewählt, weil sie nicht an das Datenökosystem eines großen Tech-Konzerns gebunden war.
Berichte deuten auf eine Welle von Kundenabwanderungen nach der Ankündigung hin. Seth Dobrin, CEO von Arya Labs und ein prominenter Manus-Nutzer, erklärte öffentlich seine Absicht, die Plattform zu verlassen, und nannte mangelndes Vertrauen in Metas Datenpraktiken als Grund. "Ich stimme mit vielen Praktiken von Meta in Bezug auf Daten nicht überein", sagte Dobrin Reportern. "Wir wechseln zu Alternativen, bei denen es mehr Sicherheit gibt."
Diese Abwanderung untergräbt den Wert der Übernahme. Meta hat Manus nicht nur wegen des Codes gekauft, sondern wegen seiner Markttraktion im Unternehmensbereich — einem Sektor, in dem Meta historisch Schwierigkeiten hatte, Fuß zu fassen. Verdunstet die Nutzerbasis, bevor die Integration abgeschlossen ist, könnte Meta auf einer 2-Milliarden-Dollar-Hülle sitzen bleiben.
Das Ergebnis dieser Untersuchung wird einen endgültigen Präzedenzfall für die globale KI-Landschaft setzen.
Zwingt China zur Auflösung des Deals oder verhängt es erdrückende Strafen, würde es die Pipeline von China ins Ausland effektiv einfrieren. Venture-Capital-Geber im Silicon Valley würden noch zögerlicher werden, Gründer mit chinesischen Verbindungen zu unterstützen, aus Angst, dass ein späterer Exit von Peking verhindert werden könnte. Andererseits könnten chinesische Gründer gezwungen sein, früh eine klare Wahl zu treffen: ausschließlich für den Binnenmarkt entwickeln oder alle Verbindungen zu China kappen, bevor sie überhaupt eine einzige Codezeile schreiben.
Für Meta ist der Manus-Deal zur Lackmustestfrage geworden, ob das Unternehmen in der Lage ist, die fragmentierte geopolitische Landkarte des Jahres 2026 zu navigieren. Das Unternehmen hat erklärt, es werde "keine fortdauernden chinesischen Eigentumsinteressen" geben und die Dienste in China würden eingestellt. Doch, wie die ausgeweitete Untersuchung zeigt, lässt sich ein Unternehmen in Zeiten des KI-Nationalismus nicht einfach von seinen Ursprüngen trennen. Der Code mag in der Cloud liegen, aber die Rechtsordnung ist sehr real vor Ort.