
Die Erzählung rund um artificial intelligence war lange von Befürchtungen über Arbeitsplatzverluste geprägt. Eine heute veröffentlichte, wegweisende Studie des IBM Institute for Business Value liefert jedoch eine überzeugende Gegenposition und legt nahe, dass die aggressivsten Anwender von AI nicht Stellen abbauen, sondern neue schaffen. Der Bericht mit dem Titel AI Poised to Drive Smarter Business Growth Through 2030 zeigt, dass "AI-first"-Organisationen 48% wahrscheinlicher neue Jobrollen schaffen als ihre weniger weit fortgeschrittenen Pendants.
Dieses Ergebnis markiert einen entscheidenden Wandel im Enterprise-AI-Umfeld und signalisiert den Übergang von einer Ära, die auf Kostensenkung und Effizienz ausgerichtet war, hin zu einer, die von Innovation und struktureller Neuerfindung geprägt ist. Für Branchenbeobachter und Geschäftsleiter gleichermaßen liefert die Datengrundlage eine Roadmap für das nächste Jahrzehnt, in dem der Wettbewerbsvorteil nicht mehr davon bestimmt wird, wie viel Arbeit automatisiert werden kann, sondern wie effektiv menschliche und maschinelle Intelligenz zu einem einheitlichen Betriebsgefüge verflochten werden.
In den vergangenen Jahren war der primäre Anwendungsfall für Enterprise-AI Effizienz – die Automatisierung routinemäßiger Aufgaben zur Kostensenkung. Die Forschung von IBM deutet darauf hin, dass diese Phase sich rasant weiterentwickelt. Während nahezu die Hälfte (47%) der aktuellen AI-Ausgaben auf Effizienz ausgerichtet ist, erwarten Führungskräfte, dass sich das Verhältnis bis 2030 deutlich verschieben wird, wobei 62% der AI-Ausgaben der Innovation gewidmet sein werden.
Dieser Richtungswechsel wird durch die Erkenntnis vorangetrieben, dass Effizienzgewinne eine Obergrenze haben, während Innovation unbegrenztes Potenzial bietet. Mohamad Ali, Senior Vice President von IBM Consulting, betonte diese Entwicklung und erklärte: "Bis 2030 werden die Unternehmen, die gewinnen, AI in jede Entscheidung und Operation einweben." Die Studie unterstreicht, dass AI nicht mehr nur ein unterstützendes Werkzeug ist; sie wird zur zentralen Architektur des modernen Unternehmens.
Organisationen, die die Integration von AI priorisieren, entkoppeln ihr Wachstum effektiv von traditionellen Ressourcenbeschränkungen. Indem sie AI zur Bewältigung komplexer Datenanalysen, für prädiktive Modellierung und autonome Workflows einsetzen, können diese Unternehmen neue Geschäftsfelder starten und schneller als je zuvor in neue Märkte eintreten. Die Studie hebt hervor, dass 79% der Führungskräfte erwarten, dass AI bis 2030 erheblich zum Umsatz beiträgt, ein starker Anstieg gegenüber nur 40% heute.
Die finanziellen Beweggründe für diesen Wandel sind klar, doch der Weg nach vorn bleibt komplex. Trotz großer Zuversicht enthüllt die Studie eine "Wissenslücke" in den Führungsetagen. Während die überwiegende Mehrheit mit Beitrag zum Umsatz rechnet, haben nur 24% eine klare Vorstellung davon, woher dieser Umsatz genau kommen wird. Das deutet darauf hin, dass das Ziel zwar consensusfähig ist, die strategische Landkarte jedoch noch gezeichnet werden muss.
Wesentliche finanzielle und operative Verschiebungen bis 2030
| Metric | Current State (2025-2026) | Projected 2030 Expectation |
|---|---|---|
| Primary AI Spend Focus | 47% on Efficiency | 62% on Innovation |
| Revenue Contribution | 40% of Executives Expect Significant Impact | 79% of Executives Expect Significant Impact |
| Productivity Gains | Incremental | 42% Increase Projected |
| Model Strategy | Dominance of Large Language Models (LLMs) | 72% Expect Small Language Models (SLMs) to Surpass LLMs |
Vielleicht ist die eindrücklichste Erkenntnis der IBM-Studie das Ausmaß, in dem AI die Struktur von Unternehmen neu gestaltet. Die Statistik, dass AI-first-Unternehmen 46% eher ihre Organisationsstruktur neu gestalten, spricht für eine grundlegende Transformation. Dabei geht es nicht nur darum, ein paar Data Scientists hinzuzufügen; es geht darum, sich vorzustellen, wie Teams aufgebaut sind, wie Entscheidungen getroffen werden und wie Wert geliefert wird.
Die Auswirkungen von AI reichen bis in die höchsten Ebenen der Unternehmensführung. Die Studie sagt voraus, dass bis 2030 25% der Unternehmensvorstände einen AI-Berater oder Mitentscheidenden haben werden. Diese Einbeziehung nicht-menschlicher Intelligenz in Governance-Strukturen stellt einen tiefgreifenden Wandel in Verantwortung und Strategie dar. Darüber hinaus glauben 74% der Führungskräfte, dass AI Führungsrollen neu definieren wird, wobei zwei Drittel die Schaffung völlig neuer Führungskategorien erwarten, die es heute noch nicht gibt.
Diese neuen Rollen werden wahrscheinlich die Lücke zwischen technischer Kompetenz und Geschäftsstrategie überbrücken. Wir bewegen uns auf eine Zukunft zu, in der "Chief AI Officer" nur der Anfang ist und Rollen folgen, die sich auf AI-Ethik, algorithmische Prüfungen und das Management der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine konzentrieren.
Auch wenn die Schaffung neuer Jobs ein positives Signal ist, wird der Übergang nicht reibungslos verlaufen. Der Bericht präsentiert eine ernüchternde Statistik: 57% der Führungskräfte erwarten, dass die meisten aktuellen Mitarbeiterfähigkeiten bis 2030 veraltet sein werden. Das schafft einen dringenden Bedarf an Reskilling und Upskilling.
Der Bericht legt jedoch nahe, dass die Lösung nicht ausschließlich in technischer Ausbildung liegt. 67% der Befragten sind der Meinung, dass die Denkweise wichtiger sein wird als Fähigkeiten. In einer AI-first-Welt wird die Fähigkeit, sich anzupassen, kritisch zu denken und mit intelligenten Systemen zusammenzuarbeiten, wertvoller sein als die Beherrschung eines bestimmten, schnell veraltenden Softwaretools. Dieser "Adaptabilitätsquotient" wird voraussichtlich zu einem wichtigen Einstellungskriterium.
Die Technologie, die dieser Revolution zugrunde liegt, durchläuft ebenfalls einen Wandel. In den vergangenen Jahren war die Branche auf das Motto "bigger is better" fixiert – die Schaffung massiver Large Language Models (LLMs) mit Billionen von Parametern. Die Forschung von IBM deutet auf eine Umkehr dieses Trends hin.
72% der Führungskräfte erwarten, dass Small Language Models (SLMs) bis 2030 an Bedeutung gewinnen und LLMs übertreffen. Dieser Wechsel wird durch den Bedarf an Effizienz, geringer Latenz und Datenschutz vorangetrieben. SLMs, die lokal betrieben und mit proprietären Daten feinabgestimmt werden können, ohne Informationen in öffentliche Clouds gelangen zu lassen, bieten einen nachhaltigeren Weg für Enterprise-AI.
Das passt zum Konzept der "souveränen AI", bei dem Organisationen ihre Modelle besitzen und kontrollieren wollen, statt Intelligenz von Drittanbietern zu mieten. Die Studie stellt fest, dass 82% der Befragten erwarten, dass ihre AI-Fähigkeiten multimodal sein werden, was eine Zukunft impliziert, in der spezialisierte Modelle (eine Mischung aus SLMs und LLMs) gemeinsam spezifische Geschäftsprobleme lösen.
Während AI derzeit im Fokus steht, weist die Studie auch auf die bevorstehende Konvergenz von AI und quantum computing hin. 59% der Befragten glauben, dass quantum-enabled AI ihre Branche bis 2030 transformieren wird. Es besteht jedoch eine erhebliche Bereitschaftslücke: Nur 27% erwarten, bis dahin tatsächlich quantum computing zu nutzen. Diese Diskrepanz hebt eine große Chance für fortschrittlich denkende Organisationen hervor, sich einen First-Mover-Vorteil zu sichern, indem sie heute in "quantum-ready" Infrastruktur investieren.
Die Botschaft des IBM Institute for Business Value ist klar: Inkrementalismus ist eine Strategie der Obsoleszenz. Um im kommenden Jahrzehnt zu gedeihen, müssen Organisationen eine ganzheitliche "AI-first"-Haltung einnehmen. Das umfasst mehrere kritische strategische Säulen:
Die Ergebnisse von IBMs AI Poised to Drive Smarter Business Growth Through 2030 bieten eine erfrischende und datenbasierte Widerlegung des oft dominierenden "AI-Doomerismus" in der Branchendiskussion. Weit davon entfernt, ein Vorbote von Arbeitslosigkeit zu sein, scheint AI der Motor einer neuen Ära der Arbeitsplatzschaffung und wirtschaftlichen Expansion zu sein.
Diese Zukunft ist jedoch nicht für alle garantiert. Sie ist den "AI-first"-Organisationen vorbehalten – jenen, die bereit sind, die kurzfristigen Schmerzen einer strukturellen Neugestaltung und die Unsicherheit der Innovation zu ertragen. Je näher wir 2030 kommen, desto größer wird wahrscheinlich die Kluft zwischen diesen Pionieren und den Nachzüglern, wodurch Gewinner und Verlierer der nächsten industriellen Revolution definiert werden. Für Creati.ai-Leser ist die Botschaft umsetzbar: Warten Sie nicht darauf, dass AI Ihre Branche verändert; nutzen Sie AI, um sie aktiv neu zu gestalten.