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Die Davos-Ankündigung: Ein strategischer Wandel zur Agentischen KI (Agentic AI)

Auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos stellten die globale Technologiegruppe e& und IBM offiziell eine bahnbrechende Zusammenarbeit zur Einführung unternehmensfähiger Agentischer KI (Agentic AI) Systeme vor. Diese strategische Partnerschaft markiert eine entscheidende Weiterentwicklung der Unternehmens-Künstlichen Intelligenz und geht über die passiven, informationsorientierten Fähigkeiten traditioneller Generative KI (Generative AI, GenAI) hinaus hin zu autonomen, handlungsorientierten Agenten, die zu komplexem Schlussfolgern und zur Ausführung von Aufgaben fähig sind.

Die Initiative, die sich zunächst auf die Transformation von Governance-, Risiko- und Compliance-Workflows (Governance, Risikomanagement und Compliance, GRC) konzentriert, stellt eine der ersten groß angelegten Implementierungen agentischer Architekturen im Telekommunikations- und Technologiesektor dar. Durch die Integration von IBMs watsonx Orchestrate in die bestehende Unternehmensinfrastruktur von e& zielt die Partnerschaft darauf ab, einen neuen globalen Maßstab dafür zu setzen, wie Organisationen missionskritische Abläufe unter strenger regulatorischer Aufsicht sicher automatisieren können.

Über Chatbots hinaus

In den letzten Jahren wurde die Unternehmens-AI-Landschaft von Large Language Models (LLMs) dominiert, die hauptsächlich als fortgeschrittene Chatbots dienten — Dokumente zusammenfassen oder E-Mails entwerfen. Die Ankündigung in Davos signalisiert die Reife einer neuen Phase: Agentische KI (Agentic AI).

Im Gegensatz zu standardmäßiger Generative KI, die auf menschliche Eingaben wartet, um Text zu erzeugen, sind die von e& eingesetzten Agenten darauf ausgelegt zu „schließen, zu handeln und zu orchestrieren“. Sie rufen nicht nur Informationen ab; sie verstehen die Absicht, interagieren mit mehreren Backend-Systemen, um Kontext zu sammeln, führen Analysen durch und setzen Workflows innerhalb definierter Schutzmechanismen autonom um.

Hatem Dowidar, Group Chief Executive Officer bei e&, betonte diesen strategischen Richtungswechsel während der Ankündigung: „Unser Anspruch ist es, von isolierten KI-Anwendungsfällen hin zu agentischer KI in Unternehmensmaßstab zu gelangen, die vertrauenswürdig, geregelt und tief in die Arbeitsweise der Organisation integriert ist. Durch die Zusammenarbeit mit IBM verankern wir Intelligenz direkt in unseren Risiko- und Compliance-Prozessen, was schnellere Entscheidungen und eine konsistente Auslegung von Richtlinien ermöglicht.“

Technische Architektur: watsonx Orchestrate und OpenPages

Der Kern dieser Implementierung basiert auf IBM watsonx Orchestrate, einer robusten Plattform zur Verwaltung und Bereitstellung von KI-Agenten. Dieses System bietet Zugriff auf über 500 vorgefertigte Tools und anpassbare, domänenspezifische Skills, die es Agenten ermöglichen, mit unterschiedlichen Softwareumgebungen zu interagieren.

Für e& ist die unmittelbare Anwendung tief in IBM OpenPages integriert, einer führenden Plattform für Governance, Risikomanagement und Compliance. Diese Integration stellt sicher, dass jede Aktion der KI — sei es die Interpretation einer neuen Regulierungsrichtlinie oder das Kennzeichnen eines potenziellen Compliance-Risikos — nachvollziehbar, prüfungsbereit und mit den internen Kontrollen des Unternehmens abgestimmt ist.

Die Rolle von GBM und der achtwöchigen Proof-of-Concept-Phase (Proof of Concept, PoC)

Die Skalierbarkeit dieser Lösung wurde durch eine intensive achtwöchige Proof-of-Concept-Phase (Proof of Concept, PoC) validiert, an der e&, IBM und Gulf Business Machines (GBM) beteiligt waren. IBMs Client Engineering Team leitete das Architekturdesign, während GBM entscheidende Lieferexpertise vor Ort bereitstellte und dabei seine tiefe Vertrautheit mit dem regulatorischen Umfeld von e& nutzte.

Der PoC zeigte erfolgreich, dass agentische KI unter realen Unternehmensbedingungen arbeiten kann, komplexe Anfragen bewältigt, die das Abrufen von Daten aus mehreren Silos erforderten, diese mit rechtlichen Standards abgleicht und umsetzbare Berichte ohne menschliches Eingreifen erstellt.

Wesentliche Komponenten der Lösung
Die folgende Tabelle skizziert den spezifischen technischen Stack und die in dieser Partnerschaft eingesetzten Fähigkeiten:

Komponente Rolle in der Architektur Wesentliche Fähigkeit
IBM watsonx Orchestrate Agentenverwaltungs-Schicht Verbindet Agenten mit 500+ Unternehmenswerkzeugen und APIs
IBM OpenPages GRC-Grundlage Stellt regulatorische Rahmenwerke und Risikodatenspeicher bereit
Watsonx.governance Aufsichts-Engine Sichert die Erklärbarkeit, Fairness und Prüfpfade der KI
Custom Agentic Models Reasoning-Kern Führt mehrstufige Logik aus, die über einfache Fragen und Antworten hinausgeht
Hybrid Cloud Gateway Infrastruktur Ermöglicht das Ausführen von Modellen über lokale (on-premises) und Cloud-Umgebungen hinweg

Transformation von Governance, Risikomanagement und Compliance (GRC)

Governance wird oft als das primäre Nadelöhr für die Unternehmensagilität genannt. Durch den Einsatz agentischer KI in diesem Bereich adressiert e& eine kritische operative Herausforderung: das schiere Volumen an sich stetig weiterentwickelnden Vorschriften und internen Richtlinien.

Das neue System befähigt Mitarbeiter und Prüfer mit 24/7 Self-Service-Zugriff auf komplexe Compliance-Informationen. Anstatt manuell Tausende von Seiten juristischer Dokumentation zu durchsuchen, kann ein Prüfer das agentische System befragen. Der Agent:

  1. Ruft ab die relevanten Richtliniendokumente.
  2. Analysiert den spezifischen Kontext der Anfrage.
  3. Vergleicht die Anfrage mit aktuellen lokalen und internationalen Vorschriften.
  4. Synthetisiert eine konforme, nachvollziehbare Antwort unter Nennung spezifischer Klauseln.

Diese Fähigkeit reduziert die für Compliance-Prüfungen erforderliche Zeit erheblich und minimiert das Risiko menschlicher Fehler bei der Auslegung von Richtlinien. Ana Paula Assis, Chair für Europa, Naher Osten, Afrika und Asien-Pazifik bei IBM, unterstrich die Bedeutung dieses geregelten Ansatzes: „Wenn Organisationen von Experimenten mit KI dazu übergehen, sie in das Gefüge ihrer Arbeitsweise einzubetten, werden Governance und Rechenschaftspflicht genauso wichtig wie die Intelligenz.“

Führungsperspektiven zur Zukunft der Unternehmens-KI

Die Zusammenarbeit zwischen e& und IBM in Davos fungiert 2026 als Wegweiser für die breitere Technologiebranche. Sie betont eine doppelte Ausrichtung: die Erhöhung der Autonomie von KI-Systemen bei gleichzeitiger Verschärfung der sie regelnden Kontrollmechanismen.

Für die Creati.ai-Community unterstreicht diese Entwicklung, dass die Zukunft der KI nicht nur aus intelligenteren Modellen besteht, sondern aus integrierten Workflows. Die Fähigkeit einer KI, „zu tun“ statt nur „zu sagen“, ist das definierende Merkmal des Agenten-Zeitalters (Agentic Era).

Während Unternehmen weltweit versuchen, diesen Erfolg zu reproduzieren, bietet das „e&-Modell“ — beginnend mit hochriskanten, regelbasierten Umgebungen wie GRC, bevor es auf kreative oder kundenorientierte Domänen skaliert wird — eine vorsichtige und effektive Roadmap. Diese Partnerschaft zeigt, dass mit der richtigen Orchestrierung und den passenden Governance-Tools KI-Agenten mit den Schlüsseln zum Unternehmen vertraut gemacht werden können.

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